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Diese Webseite soll als virtuelle Gedenkstätte dienen und einen Teil der Geschichte der Stadt Trostberg freilegen, welcher bislang im Verborgenen lag.

Nach aktuellem Stand der Forschung existierten 152 Außenlager und Außenkommandos des Konzentrationslagers Dachau (Nähe München, Deutschland). Viele davon entstanden im Zuge der Verlagerungsprojekte der deutschen Rüstungsindustrie. Die meisten dieser Lager, in denen die Häftlinge unter katastrophalen Bedingungen als entmenschlichtes Produktionskapital für die Rüstungsindustrie inhaftiert waren, sind heute vergessen und verdrängt. Das Außenlager Trostberg, das im Fokus dieser Webseite steht, ist ein solches Lager. Bis dato war die Geschichte dieses Ortes des Terrors weitgehend unbekannt.

 

Ausgehend von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Errichtung des Lagers und basierend auf Recherchen in den einschlägigen Archiven soll diese Webseite damit eine erste umfassende Darstellung der Geschichte und Funktion des Außenlagers Trostberg liefern.

 

Das Außenlager (AL) Trostberg wurde Ende Oktober/Anfang November 1944 eröffnet. Es entstand im Rahmen der Verlagerung der zuvor in Markirch (Elsass) untergebrachten Fertigung des BMW-Motors 801, der als Universalmotor sowohl in Bomber- als auch in Jägerflugzeugen der deutschen Luftwaffe zum Einsatz kam. Durch die Verlagerung des Werkes und der dort zur Zwangsarbeit gezwungenen Häftlinge, sollte die Motorenproduktion vor Luftangriffen der Alliierten geschützt werden.

 

Das Außenlager Trostberg war als Teil des nationalsozialistischen Lagersystems zur Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge errichtet worden. Die Höchstbelegung des Lagers wurde im Januar 1945 gemeldet und lag bei 951 Gefangenen. Sieben Häftlinge starben im Außenlager Trostberg infolge mangelnder Ernährung, harter Arbeit, nicht vorhandener medizinischer Versorgung und Misshandlungen. Mindestens 121 Häftlinge wurden, durch Krankheit geschwächt, zurück ins Stammlager Dachau geschickt. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Insgesamt durchliefen 1.048 namentlich bekannte Häftlinge das Außenlager Trostberg. Der Großteil (knapp 70%) waren Bürger osteuropäischer Staaten oder der UdSSR. Neben BMW wurden die Häftlinge auch bei dem in Trostberg ansässigen Chemieunternehmen „Süddeutsche Kalkstickstoffwerke“ (SKW; heute AlzChem), sowie von der Stadt Trostberg zum Bau eines Luftschutzstollens eingesetzt. Ab März 1945 wurde das KZ Außenlager Trostberg teilevakuiert. Die 300 Häftlinge die im AL Trostberg verbliebenen waren, wurden am 4. Mai 1945 von Soldaten der US-Armee befreit.

 

Heute sind Teile des ehemaligen Lagergeländes mit Schrebergärten überbaut, die übrige Fläche liegt brach. An diesen grausamen, von Misshandlungen und Unterdrückung geprägten Teil der Stadtgeschichte, erinnert heute nur ein kleines Denkmal in einer abgelegenen Ecke des Trostberger Friedhofs.