Der Ort Trostberg

Trostberg zwischen 1933 und 1945

 

Während des Nationalsozialismus war die Situation in Trostberg ähnlich wie in vielen anderen reichsdeutschen Städten: Der Stadtrat bestand ausschließlich NSDAP-Mitgliedern, das soziale Leben war der Gleichschaltung unterworfen und von verrschiedenen NS-Organisationen wie BDM (Bund deutscher Mädel), HJ (Hitlerjugend), NSKK (Nationalsozialistische Kraftfahrkorps) und vielen anderen geprägt. Viele Trostberger Männer, darunter mit fortschreitendem Kriegsverlauf auch immer mehr Jugendliche , kämpften als Teil der deutschen Wehrmacht

Noch in einem weiteren Punkt glich das Trostberg der NS-Zeit vielen anderen Städten: Auch in Trostberg wurde ein Außenlager errichtet. Die nationalsozialistische Politik der Verfolgung und Unterdrückung von GegnerInnen des Regimes und Angehörigen angeblicher "minderwertiger Rassen" fand nun auch direkt vor der Haustüre der TrostbergerInnen statt. Zwar war die Existenz von Konzentrationslagern kein Geheimnis, doch es macht einen beträchtlichen Unterschied etwas vom Hörensagen zu kennen oder die elenden, oft tödliche Bedingungen unter denen die Häftlinge des Außenlagers täglich um ihr Leben kämpfen, mit eigenen Augen zu sehen.

 

 

Warum Trostberg? - Die Frage der Ortswahl

 

Bei der Wahl Trostbergs als Standort eines Außenlagers des KZ Dachau spielten viele verschiedene Punkte eine Rolle. Einige dieser Aspekte finden sich in historischen Dokumenten, andere ergeben sich infolge grundsätzlicher Überlegungen vor dem Hintergrund damaliger Gegebenheiten oder aus dem Vergleich mit der Errichtung ähnlicher Außenlager. Die folgenden vier Punkte trugen dazu bei, dass Trostberg als Ort des Außenlagers festgelegt wurde.

1.

 

geographische Lage

und

daraus folgende

militärische und logistisch-ökomische Lagevorteile

Trostberg befand sich in südlich-zentraler Lage innerhalb der Reste des "Deutschen Reiches". Im Süden stellten die Alpen eine natürliche Barriere dar, nördlich, östlich und westlich befanden sich die letzten Reste der Landmasse des "Deutschen Reiches". Der Ort befand sich damit zumindest vorläufig möglichst weit vom Zugriffsbereich der vorrückenden alliierten Armeen entfernt.

Zugleich war der neue Verlagerungsbetrieb von BMW, für den das Außenlager Trostberg die Arbeitskräfte bereitstellen sollte, und der daher zeitgleich mit und direkt neben dem Lager errichtet wurde, nicht allzu weit vom Stammwerk Allach (bei München) und den anderen BMW-Werken/Verlagerungsbetrieben entfernt. Im Zuge des Krieges wurden die Motorenproduktion bei BMW auf mehrere Werke aufgeteilt. Dadurch entstanden zahlreiche sogenannte Verlagerungsbetriebe, in denen verschiedene Komponenten der Motoren gefertigt wurden. Zur Be- und Verarbeitung mussten die Motoren(teile) damit zwischen den einzelnen Betrieben hin und her transportiert werden. Die Infrastruktur war zum Zeitpunkt der Errichtung des Außenlagers Trostberg schwer überlastet und häufig zerstört. Die Nähe der einzelnen Verlagerungsbetriebe zueinander erleichterte den Transport der Teile erheblich und war ein wesentlicher Faktor um die Produktion von BMW-Flugmotoren weiterhin gewährleisten zu können.

Bereits vor der Errichtung des Außenlagers hatten Verlagerungen nach Trostberg stattgefunden. In der "Pappenfabrik Rieger" lagerte die Zigarrettenfirma "Haus Neuerburg" aus München ab Juli 1944 auf einer Fläche von 540 m² Zigarettenpapier und -schachteln. Im "Hotel Post" in Trostberg waren Messinstrumente und Materialien der Batterie- und Elementenfabrik der Petrix-Werke GmbH, die von Berlin nach Trostberg evakuiert worden war . Bis zum Dezember 1944 befand sich außerdem das Sammellager IV des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion in Trostberg.

Trostberg war bei den entsprechenden Stellen also schon vor den Plänen zur Verlagerung des BMW-Werkes und zur Errichtung des Außenlagers in Erscheinung getreten.

2.

In-Erscheinung-Treten der Stadt bei früheren Verlagerungen und militärischen Projekten

3.

Vorhandene Gebäude und Infrastruktur

In der letzten Phase des Krieges waren die Ressourcen Material, Zeit und Arbeitskraft äußerst knapp. Es bedeutete daher einen großen Vorteil bereits vorhandene Gebäude und Infrastruktur zu nutzen. In Trostberg war mit den Hallen der seit 1911 in der Stadt ansässigen Süddeutschen Kalkstickstoffwerke (SKW) Gebäude vorhanden, die nun von BMW zur Flugmotorenproduktion verwendet werden konnten. Zudem befand sich auf dem Firmengelände der SKW ein Gleisanschluss, der nicht nur für die Beförderung der Häftlinge, sondern vor allem auch für den Transport von Material, Maschinen und Motorenteilen von großer Bedeutung war. Der Bahnanschluss führte direkt in das Werksgelände der SKW und damit auch zur von BMW genutzten Halle 1, sodass die Flugmotorenteile, die im BMW-Verlagerungsbetrieb Trostberg weiterbearbeitet wurden mit dem Zug direkt zu und aus dem Werk transportiert werden konnten.

Diese Einsparung von Investitionen in den Auf- oder Ausbau von Infrastruktur und Gebäuden, war ein wesentlicher Produktions- und Zeitvorteil für BMW, da ohne weitere Vorarbeit (davon ausgenommen ist der Aufbau des Außenlagers, der jedoch nicht in den Zuständigkeitsbereich von BMW, sondern in den der SS bzw. des SS-WVHA fiel) direkt mit der Flugmotorenherstellung in Trostberg begonnen werden konnte.

Schon 1944 befand sich in Trostberg ein Wasserkraftwerk, das von der Firma SKW gebaut und genutzt wurde. In Zeiten der kriegsbedingten Energieknappheit, bedeutete diese Anlage ein gewisses Maß an Energiesicherheit und -autarkie für die Produktionsabläufe des Verlagerungsbetriebes von BMW.

4.

Energieversorgung