Zwangsarbeit im AL Trostberg

Hauptzweck des AL Trostberg war der Einsatz von Häflingen als Arbeitssklaven für den Rüstungsbetrieb Bayerische Motorenwerke (BMW). Das Lager selbst wurde jedoch nicht von BMW verwaltet, sondern unterstand - wie alle Konzentrationslager - dem SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (SS-WVHA).

 

Die Schutzsstaffel (SS) betrieb das Lager in Trostberg und "vermietete" die Häftlinge gegen ein geringes Entgelt (je nach Qualifikation 4 oder 6 Reichsmark pro Tag, gerechnet wird mit einer Arbeitszeit von etwa 12 Stunden), das natürlich nicht an die Häftlinge gezahlt wurde, sondern direkt in die Taschen der SS wanderte. Obwohl das AL Trostberg primär entstand um Häftlinge für BMW bereitszustellen, vermietete die SS auch einen Teil der Häftlinge an andere Unternehmen oder die Stadt Trostberg selbst. Ein weiterer Teil der Häftlinge wurde von der SS selbst in der sogenannten "Häftlingsselbstverwaltung" beschäftigt.

 

Arbeitseinsatz für die Bayerischen Motorenwerke (BMW)

 

Im Zuge der alliierten Luftangriffe auf die Rüstungsindustrie verlagerte BMW seine Produktionsstandorte mehrmals. Bei dem ab Herbst 1944 in Trostberg untergebrachten BMW-Werk, handelt es sich um einen Teil der Produktion des 801-Motors. Ein von BMW entwickelter und produzierter Sternmotor, der sowohl in Jagd- als auch in Bomberflugzeugen der nationalsozialistischen Luftwaffe zum Einsatz kam.

Zur Produktion der Motorenteile setzte BMW in Trostberg ein sogenanntes "Stammpersonal" an Häftlingen ein. Es handelte sich dabei um Häftlinge, die bereits in anderen Lagern, wie etwa dem AL Allach oder dem AL Markich für BMW arbeiten mussten. BMW lernte die KZ-Häftlinge dabei nicht nur an, sondern suchte die Häftlinge in den Lagern gezielt nach deren (beruflichen) Vorkenntnissen, körperlicher Verfassung und Sprachkentnissen aus. Ein ehemaliger Häftlinge des AL Trostberg beschreibt, dass die KZ-Häftlinge im AL Allach durch einen Hauptingenieur von BMW begutachtet wurden. Bei diesem "Sklavenmarkt" sei nicht nur die Konstitution der Häftlinge in Augenschein genommen worden, sondern es sei auch nach Beruf und Deutschkentnissen der Häftlinge gefragt worden.

 

Die Flugmotorenproduktion von BMW war in Trostberg in einer Halle der Süddeutschen Kalkstickstoffwerke (SKW) untergebracht worden. 2/3 des Gebäudes waren dazu abgetrennt und mit Produktionsmaschinen von BMW ausgestattet worden. Im hinteren Teil der SKW-Halle befand sich ein Niederschachtofen, an dem Arbeiter der Firma SKW mit Versuchen zur Eisenschmelzung beschäftigt waren.

 

Der Weg zur Arbeit

Das Lagergelände war unmittelbar neben dem Firmengelände der SKW errichtet worden. Die Fabrikhalle in der die Häftlinge arbeiten mussten befand sich damit nur etwa 200 Meter Luftlinie vom Außenlager entfernt. Dennoch bedeutete diese kurze Strecke zur Arbeitsstätte für die Häftlinge die in Folge der unmenschlichen Lebensbedingungen im Lager unter einem katastrophalen Gesundheitszustand und Mangelernährung litten, einen kräftezehrenden Gewaltmarsch. Zusätzlich befand sich das Lager auf einer Anhöhe, so dass zwischen Fabrik und Lager ein Höhenunterschied überwunden werden musste. Ein Häftling berichtet, dass die Bewältigung der Wegstrecke, die unter der Bewachung von SS-Männern zurückgelegt werden musste, 15 Minuten in Anspruch nahm.

 

Die Arbeit für BMW

In der Fabrik mussten die Häftlinge an Werkbänken und Maschinen Teile für BMW-Flugmotoren herstellen. Es handelte sich dabei um die Fertigung von Zahnrädern und die Bearbeitung von Kurbelgehäuse-Rohteilenfür den Sternmotor BMW 801. Zudem berichten Häftlinge von der Produktion von Teilen für die Raketen V1 und V2. Bei der Arbeit wurden die Häftlinge sowohl von zivilen (Vor)Arbeitern von BMW, als auch von SS-Männern kontrolliert und bewacht. Wenn ein Teil unsorgfältig bearbeitet wurde oder kaputt ging, konnte dies jederzeit als Sabotage angesehen und mit dem Tod bestraft werden.

 

Arbeitseinsatz für die Stadt Trostberg

 

Im Frühjahr 1945 setzte die Stadt Trostberg mindestenz 10 Häftlinge des AL Trostberg zum Bau eines Luftschutzstollens in der Altstadt ein. Der Stollen wurde neben der damaligen Schankwirtschaft "Hartinger" (heute Pizzeria "Natalia & Giorgio", Schedling 2) in den Berg gegraben und sollte dann in Richtung Norden, bei der Gastwirtschaft "Linnerkeller" einen zweiten Ein- beziehungsweise Ausgang bilden. Den bei den Grabungsarbeiten entstehenden Schutt mussten die Häftlinge mit einer Schmalspurbahn wegtransportieren.

Arbeitseinsatz für die Süddeutschen Kalkstickstoffwerke (SKW)

 

Die Firma SKW produzierte vor allem den Kunstdünger Kalkstickstoff. 1937 war zudem gemeinsam mit dem Oberkommando des Heeres (OKH) und der I.G. Farben der Bau einer Bereitschaftsanlage zur Herstellung von Bestandteilen synthetischen Benzins (Thiodiglykol, Äthylenhydrin und Äthylenoxid) auf dem Gelände der SKW beschlossen worden.

Auch die Firma SKW setzte KZ-Häftlinge für eigene Zwecke ein. Die Häftlinge mussten dabei verschiedenen Arbeiten nachgehen. In der Bauabteilung eingesetzte Häftlinge mussten Wege instandhalten oder Bäume schneiden. Ein weiterer Teil der Häftlinge musste Wägen mit Schlacke (Eisenspäne) entladen. Zudem mussten die Häftlinge eine Wassergrube auf dem Gelände der SKW ausheben.